Made in Germany?

Was bedeutet „Made in Germany“?

Made in Germany (engl. für Hergestellt in Deutschland) wurde zum Qualitätssiegel, das auf vielen Produkten aus Deutschland deren Herkunft angab. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde Made in Germany oder auch nur Germany auf vielen Waren neben der Herstellerbezeichnung angebracht, zum Beispiel auf Porzellan, Bestecken und Kriegsausrüstung wie Messern und Dolchen, aber auch auf Orden.

Die Geschichte

Als Ende des 19. Jahrhunderts auch in anderen europäischen Ländern die Industrialisierung einsetzte, versuchte man in Großbritannien, durch die Kennzeichnung importierter Ware vermeintlich minderwertige Produkte (zum Beispiel Nachahmerprodukte) erkennbar zu machen. Das britische Handelsmarkengesetz vom 23. August 1887 (Merchandise Marks Act 1887) schrieb vor, dass auf Waren unmissverständlich das Herkunftsland anzugeben sei. Dies sollte dem Schutz der britischen Wirtschaft vor importierten Waren – speziell solcher vom Kontinent – dienen, deren Qualität generell als minderwertiger galt. Ein zentraler Auslöser für diese Entwicklung in Großbritannien waren unter anderem Waren aus Chemnitz auf der Londoner Ausstellung im Jahr 1862, da hier erstmals die englische Domäne des Maschinenbaus gebrochen wurde. Dies veranlasste beispielsweise das berühmte Jurymitglied Sir Joseph Whitworth beim Anblick der Maschinen von Johann von Zimmermann erstmals zu dem Ausspruch „very good indeed“ („tatsächlich sehr gut“).

1891 wurde das „Madrider Abkommen über die Unterdrückung falscher Herkunftsangaben auf Waren“ vereinbart. Viele andere Staaten übernehmen damit diese Kennzeichnungsvorschrift.

Im Ersten Weltkrieg verschärfte Großbritannien diese Vorschriften, um es den Briten zu erleichtern, Waren von Kriegsgegnern zu erkennen und zu boykottieren.

Die Kennzeichnungspflicht bestand auch nach dem Krieg weiter. Da die Qualität der deutschen Waren der Qualität jeweiliger einheimischer Produkte im Ausland häufig überlegen war, wirkte „Made in Germany“ zunehmend wie ein Qualitätssiegel. Somit kehrte sich die negativ gedachte Warenkennzeichnung ins Gegenteil um. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde „Made in Germany“ zu einen Synonym für das deutsche Wirtschaftswunder. Durch die Exporterfolge der Bundesrepublik Deutschland (siehe Exportweltmeister) und die Globalisierung wurde es weltweit bekannt.

In den 1980ern gab es unter dem Titel „Ihr Einsatz bitte – Made in Germany“ auch eine Fernsehshow mit Dieter Thomas Heck.

Im Zeitalter der Globalisierung enthalten mehr Produkte als früher Teile (zum Beispiel Vorprodukte oder Zwischenprodukte) aus anderen Ländern. Ein bekanntes Beispiel ist die Autoproduktion: große Hersteller wie Volkswagen erbringen etwa 30 bis 40 % der Wertschöpfung selbst; die übrigen 60 bis 70 Prozent entstehen bei den Zulieferern, die zum Beispiel Sitze, Armaturenbretter oder ganze Frontpartien liefern.

Einige große Unternehmen verwenden in Marketing und Werbung Hinweise wie „Made by Mercedes-Benz“, „Made by BMW“, „designed in Germany“, „designed and developed in Germany“ oder „engineered in Germany“.[1] Damit weisen sie implizit darauf hin, dass der Ort der Produktion weniger wichtig als früher (geworden) ist.

Heute steht „Made in EC“ für hergestellt in der European Community. Obwohl damit auch Deutschland gemeint sein könnte, würde ein Hersteller in dem Fall sicher das aus Marketingsicht wertvollere „Made in Germany“ nennen. Man kann also davon ausgehen, dass es sich in dem Fall eher um ein in den kostengünstigeren Randbereichen der EU produziertes Produkt handelt und es nicht aus Deutschland stammt.

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